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LEBENSLAUF

Dr. Thomas Spies, MdL

es geht aufwärts - mindestens in Zentimetern
Ausschnitt einer Holzintarsie von J. Spies
ein ernsthaftes Kind
Klassenfahrt 1976
Foto: Heike Heuser ca 1978
1984
der größte Erfolg meines Lebens: diese Frau hat mich genommen
dieser wunderbare Paul trat - oder krabbelte - in mein Leben
Im Notarzteinsatz
Familie komplett
Mit Bürgern im Gespräch
Wissenschaft in Europa
Unterwegs in den Betrieben
auf dem SPD Bundesparteitag 2003
Strassenwahlkampf kann kalt sein
Grundsatzprogrammdebatte
Thomas Spies im Landtag (im Hintergrund der renovierte Kronleuchter) (Foto : Michael Schmidt)
Zur Welt kam ich am 27. Juni 1962 in der Marburger Frauenklinik. Mein Vater Joachim Spies war Maler und Bildhauer. In Marburg und ganz Nordhessen findet sich noch viel (manchmal versteckte) Kunst am Bau, wenn man danach sieht - z. B. der Brunnen vor dem Landratsamt, die Kanzel in der Pfarrkirche oder das Mosaik im Herder-Institut. Mutter Pauli war Lehrerin, und alle fünf Jahre kam ein weiterer Bruder nach.

Die ersten sechs Jahre lebte ich im Marburger Nordviertel, danach zog die Familie in ein Haus am Renthof (und entsprechend verteilten sich Bildungseinrichtungen und Freizeitaktivitäten: Kindergarten Julienstift, Emil-von-Behring-Schule, Martin-Luther-Schule, Schwimmverein und VfL).

Beide Eltern waren aktive Sozialdemokraten: 1969 knallten bei uns zu Hause die Sektkorken, als mit der Wahl von Gustav Heinemann die sozialliberale Koalition eingeläutet wurde.

1968 dann die erste Demonstration: sechs Jahre jung auf Vaters Schultern und aus voller Kehle "Ho-Ho-Ho-Tschi-Minh" skandierend. In der dritten Klasse dann das erste politische Mandat: stellv. Klassensprecher der 3b. Und 1972 Wahlkampf für Willy.

Mit 14 Jahren verbrachte ich ein Jahr in Claremont, einem College-Vorort von Los Angeles, wo es bekanntlich niemals regnet. Die Schule, "Polytechnic School" in Pasadena, war so, wie ich glaube, das eine Schule sein muss: ganztags, mit viel Ziwschenzeiten, kleinen Klassen und viel Kreativität. Da ging es um Schüler, nicht um Lehrpläne - mit dem Erfolg, dass alle Schüler dieser Schule auf sehr gute Colleges gelangten.

Zurück in Marburg dann in Schülervertretung und Schülerzeitung mitgemacht und mit 17 in die SPD eingetreten - damals, als alle meine Freunde zu den Grünen gingen. Aber soziale Gerechtigkeit schien mir schon immer das wichtigste Ziel.

Nicht ohne Frustphasen, weil die gute alte Tante SPD manchmal nicht so schnell ist, wie man das mit 17 will (Nato Doppelbeschluß, Atomenergie...)

Dann zwei Jahre Bundeswehr bei der Sanitätstruppe (ich dachte damals, dass ist ein Kompromiss zwischen Verweigern und auf-leute-schiessen-müssen, und ich fand nicht, dass ich wirkliche "Gewissensgründe" hatte)

Von 1983-90 habe ich in Marburg Medizin studiert und dabei in vieles anderes hineingeschaut. 1986-89 offizielle auch Jura (teil-) studiert und einen seminaristischen Rundgang durch die Sozialwissenschaften und Philosophie gemacht. Wer nur Medizin kann, kann auch das nicht richtig. Eine Zeit lang war ich dann HiWi am Völkerrechtsstuhl und später Tutor in der Psychosomatik. Hochschulpolitisch war ich für die Juso-HSG im StuPa und ein paar ständigen Ausschüssen.

Für den Herbst 1989 erhielt ich ein Stipendium, um im letzten Studienjahr für 4 Monate nach Jena zu gehen - das sollte auch ein Stück persönlicher "Frieden durch Annäherung" werden.
Aber im September 1989 gab es plötzlich Visumprobleme, in Ost-Berlin ging niemand mehr ans Telefon, und dann gab es keine DDR mehr.

Den "Dr." gab es für eine Arbeit über die psychologischen Folgen einer Kaiserschnittgeburt für die Paarbeziehung der Eltern.

Nach dem Studium arbeitete ich zwei Jahre in der Neuroanatomie, Neuropathologie und Onkologie, klinisch und an einem Forschungsprojekt über die Gefäßneubildung in bösartigen Tumoren. Damals ein Außenseiterthema - heute gibt es die ersten Medikamente.

1985 beim 24-Stunden-Lern-In der Medizinstudenten bin ich dann meiner späteren Frau nähergekommen, und 1992 trat dieser Paul in unser Leben.
Wir hatten uns ein Kind gewünscht, das laut und vernehmlich seine Meinung sagt. Aber wir hatten nicht damit gerechnet, daß er damit gleich nach der Geburt anfängt...

1993 bis September 1998 war ich Arzt in der Uni-Chirurgie, die letzten anderthalb Jahre davon auf der Intensivstation. Auch heute noch fahre ich regelmäßig Notarztwagen. Im Beruf zu bleiben ist mir sehr wichtig: ich kann Politik nur so lange machen, wie ich weiß, dass ich nicht davon abhängig bin.

1997 wurde ich SPD-Stadtverordneter in Marburg und schon im Sommer 1998 als Direktkandidat für den Landtag aufgestellt.

Am 28. September 1999 wurde ich dann Mitglied des Hessischen Landtags, damals der zweitjüngste Abgeordnete in der SPD-Fraktion.

"Ich vertrete das Volk gegen die Obrigkeit" - mit diesem Zitat gab die Lokalpresse mal sehr genau meine Haltung zur Aufgabe eines Abgeordneten wieder: die Menschen vor allem aus und in der Region vertreten. Das ist der Zweck der SPD: für die kämpfen, die nicht reich und mächtig sind und ihren Interesse nur mit einer gemeinsamen Vertretung Geltung verschaffen können.

In Wiesbaden habe ich mich von Anfang an mit Sozial- und Gesundheitspolitik befasst - es hilft, wenn man in seinem Arbeitsfeld Erfahrungen aus der Wirklichkeit besitzt. So wurde ich Gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion.

Auch überregional habe ich mich viel mit Gesundheits- und Sozialpolitik befasst. 2003 haben Andrea Ypsilanti und ich das hessische Modell der Bürgerversicherung vorgestellt und damit - glauben wir jedenfalls - deutlich Schwung in die Debatte gebracht, so dass im Herbst 2003 die SPD auf ihrem Bundesparteitag die Bürgerversicherung beschloss. In der Arbeitsgruppe des Parteivorstandes haben wir dann das endgültige SPD-Modell entwickelt.

Seit 2006 bin ich stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD-Gesundheits-AG und Vorsitzender dieser AG in Hessen Nord.

Mein zweites Feld ist die Wissenschaftspolitik - selbstverständlich, wenn man aus Marburg kommt, und Bildung war für mich schon immer der Schlüssel zu einer gerechten Zukunft. 2001 wurde ich Gründungsvorsitzender des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie in Hessen und bin es immer noch.

Drittes Thema war und ist der Demographische Wandel. Als AG-Vorsitzender und Berichterstatter habe ich mich vier Jahre intensiv mit diesem Thema befasst. Die wichtigste Erfahrung war, wie manche Interessengruppen ein wichtiges Thema in der Öffentlichkeit mit wilder Panikmache den Menschen Angst einjagen und diese dann ausschlachten, um ein dickes Geschäft zu machen. Tatsächlich betrifft der Demographische Wandel kaum die Sozialen Sicherungssysteme.

Es geht in Wahrheit vor allem um Infrastruktur und Bildung. Deshalb sind Studiengebühren eine wirkliche Sauerei: wir lassen unsere Kinder, die dieses Land weiterführen müssen, die wichtigste Ressource selber bezahlen - während wir sie von der Gesellschaft in weit schwierigeren Zeiten bezahlt bekommen haben.

Und es geht beim demographischen Wandel darum, öffentliches Eigentum nicht zu verschachern, damit auch in Zukunft die Einrichtungen für die Menschen da sind und nicht umgekehrt.

In der SPD war ich lange Jahre Ortsvereinsvorsitzender von Marburg-Süd.